Neue Nachbarn.

(Triggerwarnung: Im folgenden Beitrag wird sexualisierte Gewalt geschildert, die belastend und retraumatisierend sein kann.)

2000.

Ich war 14, als wir kurz vor Ostern neue Nachbarn bekamen, die das Restaurant unter uns pachteten. Ein junges Paar, er 32 und Koch, sie 28 und die Chefin im Service. Mama bot sich, wie schon bei den vorherigen immerzu wechselnden Pächtern, als Servicekraft an und hatte wenige Tage nach der Eröffnung im April 2000 ihren ersten Arbeitstag.

Steven und Simone wurden Nachbarn und Freunde. Zu Ostern verkleideten Isabell und ich uns abwechselnd als Osterhasen und verteilten bunt bemalte Eier an die Gäste. Im Zuge dessen bot Mama den beiden meine Hilfe in der Küche an – ich war erst 14 und es war so oder so verboten, aber die beiden willigten ein. Anfangs half ich auch im Service mit, doch mein Dreh- und Angelpunkt war die Küche. Ich war Stevens rechte Hand, anfangs nur in der Küche, irgendwann auch im Keller.

Es war eine laue Sommernacht, als wir zu zweit die Küche saubermachten und ich von meiner gesprungenen Fahrradkette erzählte. Ich schob das Rad in den Laden, und Steven half mir das Problem zu beheben. Danach tranken wir zusammen ein Glas Cola und ich verzog das Gesicht.

„Was ist los?“ fragte er.

„Nichts weiter.. ich hab nur irgendwas auf meiner Zunge, was schmerzt.“Er sah mir tief in die Augen und beugte sich zu meinem Gesicht. „Lass mal sehen…“ sagte er und küsste mich. Ich war wie versteinert, als er seine Zunge in meinen Mund schob. Klar, ich hatte bis dato schon heimlich zwei feste Freunde gehabt, mit denen ich knutschte – aber das hier, das war anders. Das war fordernd und erwachsen. Und ich war erst 14 und er mehr als doppelt so alt, mit einer Freundin die oben auf ihn wartete und die für mich wie eine Ersatzmutter war. Sie war meine Anlaufstelle, die erste überhaupt der ich mich anvertraute, wenn zwischen Mama und mir die Fetzen flogen. Wir quatschten, wir shoppten, wir lachten, und mein schlechtes Gewissen wurde größer und größer. Steven stellte mir in der Küche nach, wann immer es die Zeit zuließ. Er fasste mich an auf eine Weise, die ich mit 14 noch nicht kannte und auch nicht kennen wollte, und obwohl es sich gut anfühlte, fühlte ich mich schmutzig und falsch. 

Eines Abends, als gerade wenig los war, standen wir wie jedes Mal unten am Kühlhaus, als er mich plötzlich bat, ihn in den Mund zu nehmen. Ich war irritiert und wollte mich zurückziehen, doch er hielt mich fest und sagte „Na komm, tu es. Das ist nichts Schlimmes. Ich wette, du kannst das gut.“ 

Es schmeckte bitter, und als er kam, salzig und ekelhaft. Ich musste husten, riss mich los und rannte zurück in die Küche, um mit Wasser nachzuspülen. Seitdem war kein Tag mehr wie der andere.

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